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Filterwirkung von Bäumen
Filterwirkung eines Baums für Luftschadstoffe
Ursache für meine Anfrage zur Filterwirkung von Bäumen an das Umweltamt:
Aussage des Stadtrats P. Kastner in einem Informationsblatt des BN, dass ein „einziger Altbaum ... 7.000 kg Staub und andere Luftschadstoffe pro Jahr“ ausfiltere. Diese Aussage dürfte von einer Verlautbarung der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald von 1987 stammen.
Antwort des Umweltamtes
„Wegen der komplexen Materie ist die Nennung absoluter Zahlen nicht möglich. Die Höhe der Filterleistung eines Baumes ist in jedem Fall standortbezogen und von vielen Kriterien, wie die Größe oder die Gesundheit eines Baumes, abhängig.“
Schadstoffe in der Luft
Gasförmige Schadstoffe:
Kohlenmonoxid (CO), Stickoxide (NOx, Lachgas (N20)), Schwefeloxid (SO2), Benzol, Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW), Fluorkohlenwasserstoffe (FKW), (Kohlendioxid CO2) , Ozon, Methan (CH4),
Feste Teilchen:
Feinstaub: PM 2,5 (Partikel bis zu einem Durchmesser von 2,5 Mikrometer = 2,5 Millionstel Meter = 2,5 Tausendstel Millimeter) PM 10 (Durchmesser bis zu 10 Mikrometer) und Grobstaub (über 10 Mikrometer)
Formen der Filterung
Absorption: Aufnahme über die Spaltöffnungen auf der Blattoberfläche
Adsorption: Anlagerung von Schadstoffen auf der Cuticula, der äußersten Schicht des Blattes
Impaktion: Anlagerung von durch den Wind herangetragenen Feinstaubteilchen. Sie werden auf elektrostatischen Weg angezogen. Grad der Feuchtigkeit, rauhe Oberfläche und Blatthaare verstärken den Anlagerungseffekt
Absolute Zahlen
Es gibt dazu sehr wenige Untersuchungen, da sie sehr aufwendig und fehlerträchtig sind. Bei solchen Untersuchungen werden einzelne Blätter abgewaschen und die gewogene Menge auf den ganzen Baum hochgerechnet.
Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald hat die frühere Angabe von 7.000 kg Ausfilterung pro Baum und Jahr korrigiert und stellt in ihrer Homepage fest: „Pro Hektar filtern unsere Wälder jährlich bis zu 50 Tonnen Ruß und Staub aus der Atmosphäre.“
Eine Untersuchung der Universität von Chicago über die Filterungskapazität von Grünflächen auf Dächern kommt zu folgenden Ergebnis:
Die Ausfilterung an Schadstoffen pro Hektar begrünte Dachfläche beträgt 85 kg pro Jahr. (Vergleich mit den von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald angegebenen und von Kastner übernommenen 7000 kg pro Baum mit etwa 1.000 Quadratmeter Oberfläche!) Davon entfallen auf Ozon, 52%, Stickstoffdioxid 27%, auf Feinstaub (PM 10) 14% und auf Schwefeldioxid 7%.
Im Luftreinhalteplan der Stadt München findet sich folgende Angabe:
„Nimmt man die 166 g PM 10 (Linde) bzw. 43 g (Platane) Filterwirkung pro Baum, die eine englische Studie ... ermittelt hat, so sind ...“
Angenommen von den behaupteten 7.000 kg Schadstoffen sind 14 % Feinstaub PM 10, bräuchte man mehr als 5.900 Linden oder 22.800 Platanen , um diese Menge an PM 10 auszufiltern und das geschieht auch nur temporär.
Tunneleffekt
Ist der Gehölzbewuchs entlang einer Straße so dicht, dass ein Luftaustausch mit der Umgebung nicht mehr gewährleistet ist, kommt es zu dem „Tunneleffekt“. Die Schadstoffmengen sind dann dort gegenüber dem Umfeld trotz Begrünung erhöht. Lücken in der Bepflanzung und Auslichtung zu dichter Baumkronen beugen diesem Effekt vor.
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Überschätzung der Filterkapazität von Bäumen
Es setzt sich die Erkenntnis durch, dass in der Vergangenheit die Filterkapazität von Bäumen überschätzt worden ist. Im Luftreinhalteplan der Stadt München heißt es:
„ Nach einer Untersuchung führen straßenbegleitende Bäume zu keiner nennenswerten Reduktion der Feinstaubkonzentration PM 10. Andererseits wurde eine hohe Depositionsrate im Bereich der Baumkrone festgestellt. Daraus lässt sich ableiten, dass von den Baumkronen überwiegend Staub mit größerem Partikeldurchmesser als 10 Mikrometer gefiltert wird, der dann mit dem Regen abgewaschen zur Erhöhung der Depositionsrate führt.
Allgemeine Regeln
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Nadelbäume filtern effektiver als Laubbäume.
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Laubbäume mit rauen und behaarten Blättern filtern besser als solche mit glatten und flachen Blättern.
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von der Luft durchströmte Pflanzungen filtern besser als dichte.
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Kombinationen von Bäumen, Stauden und krautigen Pflanzen sind am ehesten wirkungsvoll.
Wie Vegetationsstrukturen gestaltet werden müssen, damit sie einen Beitrag zur Verminderung der Staubbelastung leisten können, bedarf des Fachwissens sowohl bei der Auswahl der Gehölze wie bei deren Anordnung. Da die Filterkapazität der Bäume für Feinstaub nach den vorliegenden Untersuchungen sehr begrenzt ist, muss die oberste Priorität die Reduzierung der Emissionen sein.
Bedeutung der Gehölze in städtischer Umgebung
Wir brauchen die Bäume in der Stadt weniger als Filter für Feinstaub, sondern
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als Lebensraum für viele Lebewesen,
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weil sie Sauerstoff erzeugen und Kohlendioxid verbrauchen,
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wegen ihrer Schönheit und der emotionalen Bedeutung der Bäume für den Menschen.
K. Schürzinger, 24.04.201
